Einmal im Jahr kommt eine stille Zahlung. Unaufgefordert. Unscheinbar. Ohne Erklärung. Einfach so. Das ist die Dividende. Nicht mehr. Nicht weniger. Eine Zahlung des Unternehmens an seine Aktionäre.
Und doch, wer das zum ersten Mal erlebt, wer zum ersten Mal eine Ausschüttung auf seinem Konto sieht, ohne dass er etwas dafür getan hat ausser geduldig zu sein, der versteht plötzlich etwas, das Ihnen kein Buch wirklich erklären kann.
„Hat jemand, der seit zwanzig Jahren regelmässig Dividenden kassiert, ein Timing-Problem. Ich sage Nein.“
Ich schreibe das, weil ich in letzter Zeit und der Beitrag über Angst und Gier hat das schön gezeigt, immer wieder sehe, wie sehr die Menschen an der Börse auf die falschen Dinge schauen. Auf den Kurs. Auf die Prognose. Auf den nächsten Schritt. Dabei wäre die ehrlichste Frage eine ganz andere: Was zahlt mir dieses Unternehmen, egal was der Kurs macht.
Dividenden sind kein Geschenk. Sie sind ein Beweis. Der Beweis, dass ein Unternehmen echten Gewinn erwirtschaftet. Dass es liquide ist, dass es seinen Aktionären, also seinen Miteigentümern, etwas zurückgibt. Wer das versteht, kauft anders. Ruhiger. Mit mehr Überzeugung.
Wie einfach war da Börse früher. Man hat ein Unternehmen gekauft, gehalten, nachgekauft, Dividenden reinvestiert und sich nach der Pension auf die Ausschüttungen gefreut. Keine Apps. Kein Sekundenhandel. Keine Algorithmen, die schneller reagieren als jeder Mensch. Einfach ein Unternehmen und Zeit.
„Wer Dividenden als langweilig bezeichnet, hat noch nie erlebt, wie sich dreissig Jahre Reinvestition auf dem Konto anfühlen.“
Jetzt kommen die Einwände. Dividenden seien steuerlich ungünstig. Dividenden seien nichts als eine Umbuchung, der Kurs falle ja um denselben Betrag. Stimmt das. Jein. Der Kurs fällt am Ex-Dividende-Tag tatsächlich um die Ausschüttung, das ist buchhalterisch korrekt. Aber wer das als Argument gegen Dividenden verwendet, denkt kurzfristig. Der denkt in Tagen, nicht in Jahrzehnten. Und genau das ist das Problem.
Ein Bekannter von mir, hat in den ersten Jahren seines Depots die Dividendenzahlungen immer wieder verbraucht. Kleine Anschaffungen, ein Urlaub, mal dies, mal das. Unbewusst und ohne nachzudenken.
Plötzlich aber, merkte er, dass er damit den Zinseszins zerstörte. Diesen einen Mechanismus, den Einstein, angeblich die „grösste mathematische Entdeckung“ unserer Zeit, nannte. Ab dem Moment reinvestierte er alles. Ohne Ausnahme. Heute sagt er, das sei die einzige Entscheidung gewesen, die wirklich zählte.
Merken Sie was. Es ist immer dasselbe. Nicht das Instrument. Nicht die Auswahl. Nicht die Timing-Frage. Sondern das Verhalten. Die Disziplin. Geduld und Disziplin, immer wieder, in jeder Anlageform, in jedem Marktumfeld.
Und trotzdem, schauen Sie sich die heutige Finanzwelt an. Überall suchen die Leute nach dem nächsten heissen Ding. Kryptowährungen. Optionsscheine. Hebel. Strukturierte Produkte mit Namen, die kein normaler Mensch wirklich versteht.
Der Marktplatz Börse bietet alles an. Aber nur, weil etwas angeboten wird, heisst das nicht, dass man es braucht. Ein Metzger verkauft auch Würste, die man nicht täglich essen sollte. Niemand zweifelt deshalb an Würsten als Konzept.
Die Masse läuft den medialen Wellen hinterher. Das war immer so. Das wird immer so sein. Die Gurus erklären auf ihren Social-Media-Kanälen, welche Aktie gerade „explodieren“ wird. Ich frage mich jedes Mal, warum jemand, der wirklich eine solche Perle gefunden hat, das gratis ins Internet stellt. Nein. Das erklärt sich von selber.
Div-idende. Also die Teilung. Das, was geteilt wird. Ein Unternehmen teilt seinen Gewinn mit jenen, die es mitbesitzen. So einfach ist das Konzept. So alt ist das Konzept. Und so wirkungsvoll ist es, wenn man es konsequent und strategietreu über Jahre und Jahrzehnte anwendet.
Folgendes braucht man dazu:
- Unternehmen mit langer Dividendenhistorie. Z. Bsp. solche, die auch durch Krisen hindurch gezahlt, ev. sogar erhöht haben.
- Die Bereitschaft, die Ausschüttungen zu reinvestieren, solange man im Vermögensaufbau ist und nicht auf das Einkommen angewiesen ist.
- Ein Investitionstagebuch, in dem man festhält, warum man ein Unternehmen hält. Nicht nur, wann man es gekauft hat.
Das ist keine Geheimformel. Das ist kein System, das man kaufen muss. Das ist schlicht das, was funktioniert. Langfristig. Beweisbar. In Eigenregie.
„Wer sich selber vertraut und seinem System treu bleibt, braucht keine Experten, die ihm sagen, was er zu tun hat.“
Bleiben Sie standhaft. Die Dividende kommt von selber.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen eine intelligente Woche, mit vielen guten Entscheidungen. Beste Gesundheit. Bleiben Sie dran, der Rest kommt von allein. Grüsse,… und natürlich wie immer…
Weiterhin viel Erfolg beim Investieren, Nachdenken und beim Vermögensaufbau. Denken Sie viel über Ihr strategisches Vorgehen nach, es lohnt sich.
Herzlichst der 5vor12
Mehr zu unserer Strategie im Buch: 5vor12 – Das Aktien Investing Lernprogramm
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